

Hier ticken die Uhren einfach anders...
In
Paraguay ist alles ein
bisschen anders, als woan-
ders. Flächenmäßig so groß, wie die Bundesrepublik,
Luxemburg und die Schweiz zusammen, leben hier
nur 5,2 Millionen Menschen etwas mehr, als in Ber-
lin. Und um in einem solch weiten, jedoch dünn be-
siedelten Land die Bevölkerung zu regieren, bedarf es
weniger an Gesetzen, Verordnungen und Vorschrif-
ten, als in sehr dicht besiedelten Ländern. Salopp ge-
sagt: man kann in Paraguay mal wieder so richtig
durchatmen, frei leben und diese ungewohnte neue
Freiheit auch ausgiebig genießen.
Das
beginnt bei der Berufsauswahl
und endet in Bau-
vorschriften (die es eigentlich gar nicht gibt) und nicht
zuletzt in den laxen Einwanderungsbedingungen. Den-
noch - im 'Garten der Welt' herrschen weder Anarchie,
noch Chaos oder Selbstjustiz, sondern eigentlich nur
mehr persönliche Verantwortung des Einzelnen.
Kaum
jemand haut über die
Stränge, denn in der pa-
raguayischen Gesellschaft steht das Menschliche im
Vordergrund, die Familie, die Freunde und das um-
gängliche Miteinander, statt Gegeneinander. Histori-
sche u. politische Entwicklungen sind die Ursachen
dafür, dass der Massentourismus bis heute nie so recht Fuß fassen konnte.
Auch ist Paraguay ein Bin-
nenland, das ohne die klassischen touristischen An-
ziehungspunkte wie Strände oder Gebirge auskom-
men muss. Statt dessen bietet das Land eine atem-
beraubende Tier- und Pflanzenwelt, etwa 300 Sonnen-
tage im Jahr und das typisch südamerikanische Flair
quirliger Städte, malerischer Landschaften, giganti-
scher Flüsse und Marktlecken.
Was
hier auf den Besucher
einströmt, das ist Süda-
merika pur - eine unvergleichliche Mixtur aus pulsie-
rendem Stadtleben, träger Gelassenheit, gepflegten
Gärten und bizarren Hügellandschaften ein Kontrast
aus Düften und Qualm, Vogelgezwitscher und Auto-
lärm, Tropenregen und heißen Trockenzeiten. Stras-
enverkäufer, fliegende Händler, Kioske, Schuhputzer,
Geldwechsler und kleine Jungs, die an den großen
Ampelkreuzungen die Autoscheiben putzen, prägen
das Bild der Städte ebenso, wie schöne Villen, moder-
ne Shoppingzentren, Prachtstraßen u. Supermärkte.
Noch
größer ist der Kontrast
zum Landesinneren.
Kaum hat man der Hauptstadt den Rücken zuge-
kehrt, erlebt man nun die sakrale Ruhe dörflicher An-
siedlungen: kilometerweite Strecken, wo nur hier und
da ein kleines Häuschen auftaucht, ein paar Kühe,
die die Straße überqueren, Palmenhaine oder weitge-
dehnte Alleen von Eukalyptusbäumen. Und wo im-
mer man hinschaut, umgibt einen dieses satte, nicht
mehr wegzudenkende Grün eine Farbe, durch die
Paraguay sehr rasch zur Droge werden kann...
Licht und Schatten
Klar, dass es in diesem Paradies nicht nur niedliche
Kolibris, viel Sonne, Gauchos am Lagerfeuer, saftige
Filetsteaks, putzige Nasenbären, Tukane und Papa-
geien gibt, sondern auch unübersehbare Schattensei-
ten, die den Touristen zwar kaum stören müssen, da-
für aber von auswanderungswilligen Männlein u. Weib-
lein um so mehr beachtet werden sollten:
Da
existieren die immense
Kluft zwischen Arm und
Reich, Korruption und das nur halbherzige Vorgehen
der Regierung, diese Missstände zu reduzieren, hat
Paraguay in den vergangenen Jahren zum wirtschaftli-
chen Außenseiter werden lassen.
Was
jedoch für die Multis
noch in weiter Ferne zu lie-
gen scheint, stellt sich hingegen für Privatleute, Klein-, und Mittelbetriebe,
für Selbständige und Rentner be-
reits seit Jahrzehnten nicht als Hindernis dar: Jahr für
Jahr wandern Hunderte Deutsche, Schweizer, Öster-
reicher in Paraguay ein, um hier noch einmal die
Ärmel hochzukrempeln und ein neues Leben zu be-
ginnen. Und so gehört auch Paraguay trotz all sei-
ner Widersprüche seit rund hundert Jahren zu den
beliebtesten Einwanderungsländern der Welt...
Um die Karte der 17 Dis-
trikte groß betrachten zu
können, klicken Sie bitte
die Abbildung an. (Dau-
ert etwas, es ist ein 130
KB- Brocken!).
Paraguay
teilt sich
in 17 Bezirke, soge-
nannte Departamen-
tos auf, welche nach
den Weisungen der
Zentralregierung ver-
waltet werden. Drei
dieser Verwaltungs-
bezirke entfallen auf
die schwach besie-
delte Chacoregionen
(97.210 Einwohner)
Presidente Hayes,
Boqueron und Alto Paraguay. Die ande-
ren liegen im dichter
besiedelten Ostpara-
guay.
Die
Departamentos
sind in 174 Kreise unterteilt, von wel-
chen 43 den Rang
von Stadtkreisen
einnehmen. Die 131
Landkreise werden
jeweils von Gemein-
deräten verwaltet,
deren Vorsteher der
Intendente (Bürger-
meister) ist.
Die
Verwaltung klei-
nerer Ortschaften in-
nerhalb der Landkrei-
se obliegt je drei Be-
wohnern dieser Orte,
den sogenannten
Juntas Locales. Einwanderer
mit ei-
ner Daueraufenthalts-
genehmigung benö-
tigen nicht die para-
guayische Staats-
bürgerschaft, um Ge-
meinderat oder Bür-
germeister zu wer-
den.


Politik wird in Para-
guay sehr wichtig
genommen, denn
seit dem das Land
1989 mit dem deutschstämmigen
Alfredo Strössner
seinen letzten Dik-
tator verlor und de-
mokratisch wurde,
wird nichts heißer
und leidenschaftli-
cher diskutiert, als
die Landespolitik...
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